Tagesgeld: Chase vor ING?
Neue Markteintritte sorgen regelmäßig für Aufmerksamkeit. Noch spannender wird es, wenn es sich mit JP Morgan Chase um die größte Bankengruppe der Welt handelt, die den ohnehin extrem wettbewerbsintensiven deutschen Giro und Tagesgeldmarkt aufmischt. Genau das ist am 18. Mai 2026 geschehen.
Für Wettbewerbsanalysen stellen neue Marktteilnehmer allerdings eine besondere Herausforderung dar. Produktdetails und Zinssätze sind meist schnell bekannt. Wie erfolgreich der Markteintritt tatsächlich verläuft und wie viele Kunden oder Einlagen gewonnen werden, lässt sich dagegen häufig erst Monate später anhand offizieller Zahlen beurteilen.
Genau hier setzen Frühindikatoren an. Barkow Consulting nutzt neben zahlreichen weiteren Kennzahlen auch die Entwicklung der Internetsuchanfragen. Sie ersetzen keine Kunden oder Einlagenstatistiken, liefern aber oft schon früh wertvolle Hinweise darauf, wie stark ein neuer Anbieter wahrgenommen wird und welches Momentum er im Markt entwickelt.
Die ersten Ergebnisse sind bemerkenswert. Bereits wenige Wochen nach dem Marktstart konnte Chase Deutschland den Abstand zur marktführenden Neobank Trade Republic bei den Suchanfragen deutlich verringern und zeitweise sogar vorbeiziehen. Insgesamt erreichte Chase seit dem Marktstart bereits knapp 70 % des Suchvolumens von Trade Republic.
Das deutet auf eine außergewöhnlich hohe Aufmerksamkeit für den neuen Anbieter hin. Umso bemerkenswerter ist dieses Ergebnis, als sich hier zwei aufmerksamkeitsstarke Marketingkampagnen gegenüberstehen: Chase setzt mit Thomas Müller auf einen der bekanntesten Fußballer Deutschlands, während Trade Republic mit dem wortkargen Hollywood Star Brad Pitt wirbt.
Auch im Tagesgeldsegment zeigt sich ein interessantes Bild. Hier liegt Chase bei den Suchanfragen aktuell sogar vor dem Marktführer ING. Wesentlicher Treiber dürfte der attraktive Aktionszins von 4,0 Prozent sein. Gleichzeitig zeigt das Beispiel aber auch, dass sich Marktinteresse nicht allein durch den höchsten Zins erklären lässt. Der aktuelle ING Zinssatz von 3,2 Prozent bleibt ebenfalls wettbewerbsfähig, obwohl er deutlich zurückhaltender beworben wird.
Suchanfragen sind dabei nur einer von zahlreichen Frühindikatoren, die unser Einlagen Monitoring auswertet. Gemeinsam mit der Beobachtung von Zinsaktionen, Marktanteilen, Wettbewerbsaktivitäten und weiteren Kennzahlen entsteht ein deutlich früheres und umfassenderes Bild der Marktdynamik, als es mit klassischen Statistiken allein möglich wäre.
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