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COVID-19 treibt HV-Präsenz auf Rekordniveau

Dr. Wolfgang Schnorr – Sign Up For Our Newsletters >> HERE

– Neuer Höchststand bei der HV-Präsenz 2020 von 69,9%
– Corona beeinflusst DAX 30-Struktur und treibt Präsenz
– Deutsche Bank-HV mit größtem Präsenzsprung

HV-Präsenz steigt 2020 auf 69,9%

Nachdem die Hauptversammlungen im DAX 30 im laufenden Jahr mit einer Ausnahme vorüber sind, steht das Fazit fest: Die Zahl der 2020 auf der HV angemeldeten bzw. vertretenen stimmberechtigten Aktien hat gegenüber Vorjahr um 3,2 Prozentpunkte auf  69,9 % im Durchschnitt auf einen neuen Höchststand zugenommen.

Dieser könnte allenfalls noch marginal durch VW am 30. September verändert werden. Damit hat sich der seit Jahren anhaltende Aufwärtstrend beschleunigt fortgesetzt. Im Rückblick auf das Tief 2005 von 45,9 % ist das auch und gerade unter Corporate Governance-Aspekten eine erfreuliche Entwicklung. Beide Aktiengattungen, sowohl Inhaber- als auch Namenspapiere, konnten sich gegenüber 2019 verbessern.

Virtuelle HV – Licht und Schatten

Je nach Standpunkt kann die äußerst ruhige HV-Saison 2020 – zumindest auf den ersten Blick – als Überraschung gelten oder auch nicht. Denn natürlich hat die Corona-Pandemie die jüngsten Aktionärsversammlungen massiv beeinflusst. Lediglich zwei Aktiengesellschaften (Siemens und Infineon) im DAX 30 konnten ihre HV im Februar noch als traditionelle Präsenzveranstaltung abhalten, während der Rest auf das kurzfristig für das aktuelle Jahr faktisch vorgeschriebene virtuelle Format ausweichen musste. Das führte letztlich zu dem 2020 fast geräuschlosen Ablauf und kam bei den Unternehmen prima an, wie auch der gerade an das Bundesjustizministerium gerichtete Appell von 60 Vorständen börsennotierter Aktiengesellschaften zur zeitlichen Verlängerung der Ausnahmeregelung belegt.

Und offensichtlich ist das Bundesjustizministerium aktuell bereits dabei, die Befristung in das Jahr 2021 zu verschieben. Allerdings werden durch diese Notverordnung aber andererseits die Rechte der Aktionäre in der HV-immerhin ein zentrales Organ der Aktiengesellschaft – erheblich beschnitten.

Ob das der Corporate Governance – auf Dauer – so gut bekommt, ist sehr fraglich. (Virtuelle HV: Für Kleinanleger geht’s nicht nur um die Wurst! vom 12. August 2020)

Corona steigert HV-Präsenz – allerdings indirekt 

Inwieweit sich das Covid-19-Virus in der HV-Präsenz 2020 direkt niedergeschlagen hat, lässt sich nur schwer isolieren. Offenbar hat es die Aktionäre aber auch nicht davon abgehalten, zumindest in etwa wie in den Vorjahren ihr Stimmrecht in der neuartigen virtuellen HV auszuüben. Bei 12 der DAX 30-Mitglieder hat sich das auf der HV vertretene stimmberechtigte Grundkapital – trotz Corona – lediglich um bis zu ein Prozent verändert. Insgesamt gelang es 21 Unternehmen, 2020 ihre HV-Präsenz zu steigern.

Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass sich in der höheren Präsenz 2020 ein gewichtiger Struktureffekt auswirkt, der die Turbulenzen in der Zusammensetzung des DAX 30 widerspiegelt. So mussten innerhalb der letzten 12 Monate die beiden langjährigen Gründungsmitglieder ThyssenKrupp und Lufthansa sowie – besonders spektakulär nach nur zweijähriger Zugehörigkeit – Wirecard wegen Insolvenz den deutschen Leitindex verlassen. An ihre Stelle sind die Aktiengesellschaften MTU, Deutsche Wohnen und Delivery Hero gerückt. Dank einer außergewöhnlich hohen HV-Präsenz aller drei Neumitglieder wurde damit aber auch der Durchschnitt im DAX 30 deutlich nach oben gedrückt. Besonders klar wird das bei der Verdrängung der extrem stark  von Corona geschädigten Lufthansa durch die Deutsche Wohnen, die allein rein rechnerisch für rund ein Drittel des Gesamtanstiegs gegenüber 2019 „gesorgt“ hat. Ebenfalls gut einen Prozentpunkt hat der Austausch von Wirecard durch Delivery Hero zu der Erhöhung gegenüber Vorjahr beigetragen. Insoweit kam es bei der HV-Präsenz im laufenden Jahr also sehr wohl zu einem deutlichen Corona-Effekt, wenn eben auch nur indirekt.

Quasi nebenbei haben es die neu aufgenommenen Gesellschaften geschafft, dass die Zahl der

Namensaktien erstmals die der Inhaberaktien in Deutschlands wichtigstem Aktienindex übertrifft.

Deutsche Bank überrascht mit starkem Plus

Die Deutsche Bank, traditionelles Präsenz-Schlusslicht seit Jahren, konnte aktuell mit einem Plus von neun Prozentpunkten auf 43,5 % von allen Gesellschaften im DAX 30 absolut und relativ am stärksten zulegen. Das ist ein Anstieg auf ihr höchstes Niveau seit 2007 Unternehmensangaben vorliegen und umso ungewöhnlicher, als im Dezember 2019 ihr chinesischer Großaktionär, die HNA-Gruppe, mit knapp 10 % Anteil komplett ausgestiegen war. Erfahrungsgemäß geht aber bei zunehmendem Streubesitz die HV-Präsenz infolge sinkender Abstimmungsbereitschaft zurück. Allerdings war es im Februar 2020 in geringerem Umfang zu einer gegenläufigen Bewegung gekommen, als die US-amerikanische Capital Group mit 3,1 % einstieg, was an der Börse beim damaligen Aktienkurs einige Wellen schlug.